Milchstraße fotografieren

Die Milchstraße wird inzwischen sehr gern als Bildelement genutzt. Doch wie schaffe ich es überhaupt die Milchstraße zu fotografieren? Das erkläre ich euch in diesem Tutorial!

Was brauche ich um die Milchstraße zu fotografieren ?

Ein Durchaus beliebstes Motiv für Langzeitbelichtungen sind Sterne, insbesondere die Milchstraße wird immer wieder fotografiert!

Zum Fotografieren der Milchstraße braucht es natürlich eine DSLR-Kamera mit BULB-Modus (oder vergleichbar), sowie bestenfalls ein lichtstarkes Objektiv, das möglichst weitwinklig ist. Die Lichtstärke ist bei der Astrofotografie sehr wichtig. Ebenfalls gut aufgestellt ist man, wenn man die ISO der Kamera gut hochziehen kann, ohne dass es stark rauscht. In dem Fall ist also eine Vollformat-Kamera sicher die bessere Alternative.
Eine Taschenlampe – am besten eine Kopflampe mit dimmbaren Rotlicht – solltet ihr in jedem Fall auch immer dabei haben, da ihr euch ja in völliger Dunkelheit bewegt. Rotes Licht eignet sich am besten, weil die Augen sich nicht umgewöhnen müssen (Dunkeladaption), wenn die Taschenlampe mal an war. Man erkennt nach einer gewissen Zeit dann auch viel mehr in der Umgebung.
Außerdem benötigt ihr, wie sonst auch, unbedingt ein stabiles Stativ und einen passenden Auslöser. Ich nehme hier gern meinen Infrarotauslöser. Denkt aber hier unbedingt daran, Ersatzbatterien oder notfalls einen Kabelauslöser dabei zu haben. Nichts ist schlimmer, als wenn man nach sorgfältiger Planung dann an so einfachen Dingen scheitert. Solltet ihr dennoch einmal eure Auslöser vergessen habe, oder ohne Batterie unterwegs sein, gibt es an der Stelle aber einen coolen Kniff:

Stellt eure Kamera komplett ein. Deckt dann euer Objektiv mit etwas ab, was lichtundurchlässig ist (Mütze, Dose, etc.), was ihr jedoch drüber legen und wieder runter nehmen könnt, ohne dass sich etwas bewegt/verstellt. Dann drückt ihr den Auslöser von Hand, entfernt dann euer Tuch oder was auch immer ihr über dem Objektiv liegen hattet. Bevor ihr die Auslösung stoppt, wiederholt ihr das Ganze. Also wieder zudecken, erst dann auf den Auslöser drücken und tadaa habt ihr eine Aufnahme im Kasten. Bei solchen Motiven, wo ihr Zeit habt, hilft das schonmal.

Oder wenn ihr sowieso eine vorgegebene Belichtungszeit von unter 30 Sekunden habt, was hier der Fall sein dürfte, wenn ihr nicht gerade mit 8 mm fotografiert, könnt ihr natürlich auch ganz einfach den Selbstauslöser einstellen.

Wie plant man eine Aufnahme von der Milchstraße?

Hier ist eine sehr sorgfältige Planung notwendig

Lichtverschmutzung entgehen

Der erste Schritt bei der Planung ist, einen möglichst dunklen Ort zu finden, wo euch die Lichter der Stadt nicht im Wege sind, damit die Milchstraße auch wirklich sichtbar ist und der Himmel auch einen Kontrast für die Sterne bildet. Einen solchen Ort zu finden, ist inzwischen sehr einfach, da es passendes Kartenmaterial gibt. Zum einen kann ich euch das Blue Marble Overlay für google maps empfehlen! Aber Achtung – Datenbestand ist von 2012! Eine aktuellere Map inkl. Datenbestand von 2017 bietet die Seite Lightpollutionmap!

Besonders die Ruhrgebietsmenschen werden feststellen, dass es dort kaum Sinn hat, wobei es nicht unmöglich ist, die Milchstraße auch hier zu erwischen.

Mondphase

Der nächste entscheidende Punkt ist die Mondphase. Denn das Mondlicht überstrahlt sonst die Milchstraße. Daher ist der beste Zeitpunkt der Neumond.
Neumond ist im Mittel etwa alle 29,5 Tage und weltweit zum gleichen Zeitpunkt, was jedoch unterschiedlichen Ortszeiten entsprechen kann.
Die Neumondphasen für das Jahr 2018 sind:

Mi, 17.01.18 Mo, 16.04.18 (+) Fr, 13.07.18 Di, 09.10.18 (+)
Do, 15.02.18 Di, 15.05.18 (+) Sa, 11.08.18 (+) Mi, 07.11.18
Sa, 17.03.18 (+) Mi, 13.06.18 So, 09.09.18 (+) Fr, 07.12.18

Damit ihr jedoch dauerhaft auf dem Laufenden seid und einen Überblick habt, habe ich euch hier den Mondphasen-Kalender von „www.Der-Mond.org“ eingefügt, der sich automatisch monatlich aktualisiert. Sehr nützlich: Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Mondaufgang und Monduntergang sind gleich auch vermerkt. Der Kalender ist erstellt für das Hohe Venn in der Eifel, da dies mein persönlicher Lieblingsspot ist. Generell können die Daten innerhalb von Deutschland um bis zu +|- 1 Std abweichen.

Der Mondkalender mit allen Mondphasen im Monatsverlauf

Der Mondkalender mit allen Mondphasen im Monatsverlauf

Ein Service von www.Der-Mond.org

Wenn ihr +|- 2/3 Tage um den Neumond herum fotografiert kann das übrigens auch noch sehr gut funktionieren. Denn Neumond fällt bedauerlicherweise ja nicht immer auf ein Wochenende und man kann auch nicht immer unter der Woche unbedingt nachts raus. Beispielsweise erscheint das Zentrum der Milchstraße im März nämlich erst gegen 4 Uhr in der Früh, wo der Mond bereits lange Zeit schon untergegangen ist. Somit sind die ersten Tage des zunehmenden Mondes im März beinahe genauso gut geeignet, wie der Tag des Neumonds selbst. Wir halten also fest, dass die Milchstraße nicht nur während der Neumondnacht (abhängig von Mondaufgang und -Untergang) sichtbar ist.

Allgemeine Sichtbarkeit der Milchstraße

Grundsätzlich ist die Sichtbarkeit der Milchstraße auf der Nordhalbkugel schlechter und eingeschränkter als auf der Südhalbkugel. Generell ist auch hier ganzjährig immer ein Teil der Milchstraße sichtbar, aber gerade in den Wintermonaten nur ein wenig lichtstarker Abschnitt. Die Saison zur Fotografie der Milchstraße geht in Mitteleuropa Anfang März los und zieht sich bis Ende Oktober. Zu Beginn der Saison steht der interessante Teil der Milchstraße noch sehr flach über dem Horizont. Hier muss man dann immer schauen, ob der eigene Standpunkt diese Ansicht überhaupt zulässt und ob sie nicht von Bergen oder anderen „Hindernissen“ verdeckt wird. Des Weiteren ist noch die Lage entscheidend darüber, ob in bestimmten Monaten die Sichtbarkeit eingeschränkt ist.

Oberhalb eines Breitengrades von 48,5° ist jetzt nämlich noch zu berücksichtigen, dass die astronomische Dämmerung hier im Sommer teilweise gar nicht endet. Um die Sommersonnenwende herum (Juni) erreichen wir lediglich eine sog. Mitternachtsdämmerung und es wird gar nicht wirklich richtig dunkel. Auch wenn wir das nicht so empfinden. Liegt unser Spot also oberhalb von Stuttgart haben wir in den Monaten Juni und Juli keine Chance, die Milchstraße zu fotografieren, da es nicht wirklich richtig dunkel wird. Zu der astronomischen Dämmerung folgt gleich im Punkt „Uhrzeit“ noch eine weitere Erklärung.

Aktuell entfallen ja nun schon ein paar Termine. So dass nur die 6 mit dem (+) markierten Termine für uns wichtig sind.

Wetter

Ein weiterer wichtiger Punkt ist dann natürlich noch die Wetterlage. Wir wissen jetzt z.B., dass am 16.04.18 ein geeigneter Tag wäre, da wir dort Neumond haben, was uns jedoch nichts bringt, wenn es bewölkt ist, oder wir mit Nebel zu kämpfen haben oder anderen Wetterlagen von Regen bis Schnee. Es sollte definitiv eine klare Nacht sein. Daher sind Termine insbesondere im März und April häufig leider auch nicht umsetzbar, selbiges Risiko ist auch im September und Oktober größer. Die beste Möglichkeit hat man sicher im Mai und August. Jedoch wenn wir eine klare Nacht haben, bieten oft die kühlen Monate klarere Sicht. Daher schön die Augen offen halten!

Uhrzeit

Der Zeitraum (Uhrzeit), zu der die Milchstraße dann letztlich am Himmel sichtbar wird liegt zwischen dem Ende der astronomischen Dämmerung nach Sonnenuntergang und dem Beginn der astronomischen Dämmerung am nächsten Morgen. Diese astronomische Dämmerung ist dann abgeschlossen, wenn die Sonne 18° unter dem Horizont liegt. Erst dann ist kein Rest vom Sonnenlicht mehr für das Auge bzw. die Kamera erkennbar. Das ist der Zeitpunkt, an dem es wirklich dunkel ist. Erst jetzt wird die Milchstraße sichtbar. Die astronomische Dämmerung dauert je nach Jahreszeit und natürlich auch abhängig von der Lage etwa 1,5 – 3 Stunden. Das ist mitunter auch ein Grund dafür, dass der sichtbare Zeitraum teilweise sehr kurz sein kann in unseren Breitengraden.

Wo finde ich die Milchstraße?

Das ist mitunter die zentrale Frage. Für Sternenkundige ist das wahrscheinlich noch recht einfach, denn mittels des Sternenbildes „großer Wagen“ lässt sich leicht der Polarstern finden und über diesen dann recht einfach das Sternbild „Kassiopeia“ (auch Himmels-W/M). Kassiopeia liegt in ihrer Längsausrichtung direkt in der Milchstraße. So erkennt man auch sehr einfach den Verlauf. Die beiden Sternbilder sind bei uns ganzjährig sichtbar.
Einfacher wird das Ganze für uns Hobbyfotografen ohne astronomische Kenntnisse dann mit Apps, die uns entweder Sternenbilder oder gleich die Milchstraße zeigen. Meine favorisierte App ist „Photo Pills“. Die App kostet zwar 10 €, ist aber jeden Cent wert, zumal sie auch den Stand der Sonne, etc. anzeigt und für Landschaftsfotografen somit auch in anderen Bereichen sehr nützlich ist. Sonnenauf- und untergang werden mit Uhrzeiten angegeben und man kann für jeden Ort genauestens planen, wie die Sonne steht, wo die Milchstraße zu sehen sein wird, usw.

Es gibt sogar einen Kamera-Modus, die uns genau den Verlauf der Milchstraße am Himmel zeigt, da wir diese oft mit dem bloßen Auge am Himmel gar nicht wahrnehmen. Außerdem sagt euch die App auch, wie hoch der Ort über dem dem tatsächlichen Horizont liegt, so dass ihr besser einschätzen könnt, wie gut sichtbar die Milchstraße sein wird.

Eine weitere App, die über einen ähnlichen Funktionsumfang verfügt ist „Sun Surveyor“. Es gibt eine Lite-Version, die kostenlos ist, jedoch natürlich auch hinsichtlich der Funktionen eingeschränkt ist und eine kostenpflichtige Vollversion für 11€. Alles in Allem aber ebenfalls jeden Cent wert. Das Schöne ist einfach, dass man alles am Handy zu jeder Zeit mal eben checken kann.

Check-Up 2018 für die Region Eifel (Hohes Venn)

Für die 2018-Termine habe ich einmal niedergeschrieben, an welchen Neumond-Terminen die Sichtbarkeit inkl. des galaktischen Zentrums gegeben ist und wie genau sich das zeitlich darstellt:

17. März: 03.22 – 04.52 = ca. 1,5 Std
16. April: 02.25 – 04.31 = ca. 2 Std
15. Mai: 00.34 – 02.59 = ca. 2,5 Std
11. August: 23.25 – 01.16 = ca. 1,75 Std
09. September: 21.59 – 23.22 = ca. 1,25 Std.
09. Oktober: 20.45 – 21.23 = ca. 0,75 Std.

Die hier angegebenen Werte beziehen sich auf einen Fotospot im Hohen Venn in der Eifel, an dem die Lichtverschmutzung nur gering ist und wo man eine gute Chance auf anständige Fotos hat.

Welches Objektiv und welche Einstellungen sind für die Milchstraße geeignet?

Brennweite und Objektivwahl

Nun geht es ans Eingemachte, denn neben der Planung und dem Zeitpunkt, wann und wo die Milchstraße am besten fotografiert werden kann, müsst ihr auch eure Ausrüstung beherrschen und passend ausgestattet sein. Ihr solltet unbedingt ein Objektiv mit einer möglichst geringen Brennweite und einer möglichst hohen Lichtstärke auswählen. Ihr seht gleich, warum insbesondere die geringe Brennweite euch zu guten Bildern verhelfen kann. Wenn ihr kein Equipment für eine Nachführung besitzt, gibt es nämlich eine maximale Belichtungszeit!

Bei einer Vollformat-Kamera gibt es die 500-Regel. Man rechnet 500/Brennweite und erhält im Ergebnis die max. Belichtungszeit in Sekunden in der keine Sternenspuren entstehen. Manche wenden auch die 600-Regel an. Also anstatt 500 rechnen sie dann 600/Brennweite. Fragt mich nicht, was hier richtig oder falsch ist. Ich denke das probiert man am besten aus.
Bei einer Cropkamera ist der Ausgangswert abhängig von dem genutzten Objektiv. Hier kann ich jetzt nur für Canon und Original Canon-Objektive sprechen. Benutzt ihr ein EF-S Objektiv, funktioniert die Berechnung wie oben, da hier die angegebene Brennweite schon angepasst ist. Benutzt ihr jedoch ein EF-Objektiv, müsst ihr Folgendes tun: Teilt vorher den Ausgangswert von 500/600 durch den Cropfaktor eurer Kamera. Ihr erhaltet nun die Zahl, die euren Ausgangswert darstellt. Bei Canon ist der Cropfaktor 1,6. Würde ich also 500/1,6 teilen, käme ich auf 312,50 als Ausgangswert.

Nutze ich jetzt also z.B.

ein EF-S Objektiv mit 50 mm Brennweite = 500/50 mm = 10 Sekunden
ein EF-Objektiv mit 50 mm Brennweite = 500/1,6 = 312,50 / 50 mm = 6,25 Sekunden

Umso geringer die Brennweite, umso länger die Belichtungszeit, umso niedriger die ISO, umso besser die Bildqualität.

Kameraeinstellungen

Nach folgendem Schema ermittle ich meine Einstellungen:

Belichtungszeit:

Die Belichtungszeit haben wir im vorherigen Schritt, abgestimmt auf das gewählte Objektiv bereits berechnet. Diese Einstellung ist ein Richtwert. Kommt ihr im Ergebnis auf 18 Sekunden, müsst ihr schauen, welche eure nächstmögliche Einstellung auf der Kamera ist, oder ihr stoppt die Zeit manuell. Ich würde es hier in jedem Fall mit 20 Sekunden versuchen.

Blende:

Habt ihr nun z.B. ein Objektiv mit Blende 2.8 solltet ihr dennoch 1-2 Stufen abblenden, denn je nach Qualität des Objektives hat man gerade bei der Anfangsblende oft mit Unschärfen zu kämpfen. Das könnt ihr im Zweifel ja auch für euer Objektiv nachlesen, welche Blenden am besten sind. Dieser Wert ist also auch mehr oder weniger vorgegeben. So offenblendig wie möglich fotografieren und unbedingt im Liveview anständig scharf stellen!!!

Fokus:

Bei der Dunkelheit müsst ihr manuell fokussieren. Das Objektiv sollte auf „unendlich“ stehen. Beachtet aber bitte das nicht jedes Objektiv so perfekt justiert ist, dass ihr wirklich auf unendlich seid, wenn ihr den Fokus manuell auf unendlich stellt, ohne das Bild im Liveview zu kontrollieren.

ISO:

Das ist euer Faktor, der die Helligkeit steuert. Hier ist sicherlich das Histogramm eine Hilfe, um eine anständige Belichtung zu erreichen. Probiert euch zur Not durch und macht mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher ISO. Dann seht ihr auch, welche Möglichkeiten euch hinterher bei der Entwicklung und Nachbearbeitung noch bleiben.

Weitere Einstellungen:

Fotografiert unbedingt in RAW und stellt die Rauschunterdrückung aus (die Kamera könnte Sterne für Bildrauschen halten)!
Den Weißabgleich könnt ihr auf „Automatik“ stellen, da ihr sowieso später am PC das Bildmaterial noch nachbearbeiten/entwickeln solltet.
Und auch hier kristallisiert sich wieder heraus, dass man für jedes Motiv an jedem Ort selbst schauen muss, welche Einstellungen das eigene Equipment her gibt. Ich hoffe dennoch, euch hiermit zumindest eine Richtung geben zu können, die euch hilft, die passenden Einstellungen zu finden.

Schlussworte

Mit der Aufnahme ist das Bild noch nicht abgeschlossen. Eine Nachbearbeitung ist in jedem Fall noch erforderlich. Bei Zeiten erfolgt dazu ein gesondertes Tutorial, wie ihr das Beste aus eurem Bildmaterial herausholen könnt. Alles in allem bleibt zu sagen, dass in 2018 für das Gebiet Eifel die Termine im August und September die besten Bedingungen mit sich bringen. Ich hoffe, dieses Mal schaffe ich es, ein Foto zu machen, ohne (wie in 2017) auf der Straße einem Wildschwein zu begegnen, das meint mein Auto anrempeln zu müssen!