MEHRFACHBELICHTUNG

Ein häufig fallender Begriff… Doch was ist das eigentlich und wie mache ich das? Das erkläre ich euch hier. Es ist nicht nur beim Lightpainting anwendbar. Es funktioniert bei LZB genauso wie auch bei Highspeed-Aufnahmen. Aber da es auf meiner Seite um LZB und Lightpainting geht, beziehe ich das natürlich darauf.

Was ist eine Mehrfachbelichtung ?

Den Begriff gab es schon zu analogen Zeiten. Wenn ein Film an der selben Stelle mehrfach belichtet wurde, sprach man von einer Mehrfachbelichtung. Meistens trat das ungewollt auf. Kennt ihr aber sicher alle… Wenn der Film mal klemmte in der Kamera, hatte man schnell mal so 2 unterschiedliche Fotos in einem… Bei der digitalen Fotografie spricht man davon, wenn der Sensor noch nicht ausgelesen wurde und die nächste Belichtung gestartet wird. Es gibt Kameras, die diese Funktion unterstützen. Bei Canon z.B. die 70D und alle Modelle, die höher sind. Bei den kleineren Modellen weiß ich es leider nicht. Das ist jedenfalls die klassische Mehrfachbelichtung.

Ein weiterer Punkt, wo man von einer Mehrfachbelichtung spricht, ist z.B. wenn man eine Person in dunkler Umgebung anblitzt, die an eine andere Stelle geht, man sie wieder anblitzt und die Person ist dann später auf dem Bild 2x zu sehen. Nämlich an den Stellen, wo sie hingeblitzt wurde. Hier ist wiederum eine dunkle Umgebung wichtig, damit nicht a) durch das Umgebungslicht der Effekt entsteht, dass der Mensch aussieht wie ein Geist und b) keine Überbelichtungen auftreten.

Und als letztes kann es auch sein, dass bei LZB’s das Objekt sich bewegt. Also beispielsweise eine Uhr… Nach 60 Sek springt der Zeiger um. Belichte ich also 5 min (Vorausgesetzt das Umgebungslicht lässt das zu) und ich fotografiere eine Uhr… Dann hab ich den Zeiger 5x 60 Sekunden belichtet und man wird entsprechend den Zeiger 5x sehen. Bei sich schnell bewegenden Objekten funktioniert das natürlich nicht…

Wie funktioniert eine Mehrfachbelichtung?

Manche Kameras haben eine Funktion, die euch das erlaubt.  Bei der Canon EOS 70D ist diese Funktion z.B. vorhanden und erlaubt es euch, bis zu 7 Aufnahmen als Mehrfachbelichtung aufzunehmen. Aber nicht jede Kamera hat so eine Funktion bereits an Bord.

Es gibt aber genügend Möglichkeiten, eine Mehrfachbelichtung durchzuführen.

Trick 1:
Beim Lightpainting nutzen wir eine dieser Techniken schon… Wir decken die Kamera zwischen den einzelnen Performances einfach mit einem dunklen/blickdichtem Tuch, Hut, oder ähnlichen Dingen ab. Das sind im Grunde ja auch mehrere Langzeitbelichtungen auf einem Bild. Und darin seid ihr bestimmt schon Praxiserfahren. Sie funktionieren aber auch nur bei Dunkelheit. Denn ansonsten habt ihr schnell das Problem, dass ihr trotzdem Überbelichtungen im Bild habt.

Trick 2:
Dann kennt ihr sicher die neue OM-D von Olympus? Ja die macht es auch ganz clever. Sagen wir, die Umgebung ist zu hell für Lightpainting. Ihr wollt aber unbedingt einen Orb dort sehen. Nun schaut einfach mal, wie lange ihr dort belichten könnt, ohne dass das Bild überstrahlt… Ihr kommt z.B. auf 4 Sekunden. Nun greift ihr z.B. zu eurer App TriggerTrap und stellt im BULB-Modus z.B. ein 20x 4 Sek. und dreht euren Orb nun in aller Ruhe. Wichtig ist allerdings, dass ihr euch NICHT im Liveview-Modus befindet während der Auslösung, da es in diesem Modus immer zu einer Verzögerung kommt. Also diesen unbedingt vorher deaktivieren und Kamera auf Serienbildfunktion stellen. Wenn ihr kein Triggertrap habt, müsst ihr einfach im Modus M 4 Sek. voreinstellen und die Serienbildfunktion aktivieren und den Auslöser durchgedrückt lassen bzw. einrasten. Den einzigen Nachteil gegenüber der OM-D, den ihr hier habt… Ihr müsst die Bilder danach mittels Software selbst zusammen rechnen. Entweder in Photoshop, Gimp oder in den Programmen, die ihr für eure Startrails benutzt. Ist im Endeffekt ja nichts anderes, was wir an dieser Stelle machen, nur dass wir anstatt Sterne eben bewegtes Licht fotografieren. Die OM-D rechnet die Bilder schon für euch zusammen, so dass ihr da später schon das fertige Bild habt und ihr könnt sogar schon zuschauen, wie sich das Bild langsam entwickelt… Aber wie ihr seht, geht das auch ohne diese Kamera.

Trick 3:
Ihr besitzt zufälligerweise eine Kamera mit der Möglichkeit eine Mehrfachbelichtung einzustellen. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass die Canon EOS 70D das ganz zufällig kann. Es ist das gleiche Prinzip wie in Punkt 2, nur mit dem Unterschied, dass die Kamera die Bilder schon ineinander verrechnet. Allerdings gibt es hier einen kleinen Unterschied. Die Kamera bietet dafür 2 Modi: Additiv und Durchschnitt.
Bei ersterem Modus werden die Fotos einfach so addiert, wie sie belichtet und aufgenommen wurden, bei dem zweiten Modus reduziert die Kamera die Belichtung automatisch so, dass das addierte Foto am Ende korrekt belichtet ist. Ihr müsst euch da einfach mal bissl ans testen machen. Es gibt auch Canons, die noch über eine bessere Mehrfachbelichtung verfügen. NICHT ZU VERWECHSELN mit der Belichtungsreihe, wo eine Aufnahme hell, eine dunkel und eine normal gemacht wird. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun menütechnisch! Die Mehrfachbelichtung kann auf jeden Fall verschieden genutzt werden und erfordert in jedem Fall Präzision.

Insgesamt also alles kein Hexenwerk. Man muss nur einfach versuchen zu verstehen, was da eigentlich passiert und wie man das beim Lightpainting sinnvoll nutzen kann. Und die Variante mit den mehreren Auslösungen funktioniert auch bei Tageslicht. Kamera auf ein Stativ. Eine Person auf die Bank gesetzt, 3 x ausgelöst mit den gleichen Einstellungen, fertig. Damit ihr seht, was ich meine, ist hier ein Beispielbild:

IMG_4876psc2

Nun gibt es Leute, die meinen, weil ggf. Photoshop o.ä. zum Einsatz kommt, sei das kein Lightpainting mehr, sondern Mogelei. Aber wenn man danach geht, ist es eigentlich egal, ob ich mogele während ich das Bild aufnehme oder nachträglich, wenn ich es in PS zusammen rechne… Es ist halt nur mehr Arbeit, wenn man es nicht direkt mit der Kamera umsetzen kann. Da kommt es halt drauf an, ob eure Kamera euch die Möglichkeit bietet oder ob ihr es auf Umwegen erreichen müsst.

Und ihr seht ja auch gerade an dem Beispielbild, dass es auch bei Tageslicht funktioniert. Bedenkt halt nur, dass umso kürzer die Belichtungszeit, umso mehr Aufnahmen braucht ihr, umso mehr Unterbrechungen habt ihr, umso schneller muss eure Speicherkarte die Bilder verarbeiten und außerdem muss die Lichtquelle hell genug sein, um in der Umgebung hervor zu stechen.

Welche Einstellungen sind hier geeignet?

Wie immer gibt es hier keine Faustformel. Aber das ist ja bei fast jedem Bild die Standardfrage. Deshalb will ich darauf nochmal kurz eingehen.

Nach folgendem Schema ermittle ich meine Einstellungen:

ISO:
Ich arbeite in 99% aller Fälle mit ISO-100. Und wenn ich hochgehe, dann bei LZB max. auf ISO-200.

Blende:
Da ich auf dem Bild ja eine gleichmäßige Schärfe erreichen will, liegt meine Blende meistens zwischen 7.1 und 11. Es kommt aber hier extrem auf die Lichtquelle an. Ist die Lichtquelle sehr dunkel, dann brauche ich die Blende möglichst weit offen. Kann ich die Blende nicht so weit öffnen, weil ich eben eine gleichmäßige Schärfe im Bild haben will, muss ich das Licht langsamer bewegen. Manchmal geht das aber nicht. Also muss man entsprechend abwägen. Es sei denn, ihr besitzt ein Objektiv mit manueller Blendensteuerung, dann könnt ihr auch während der Belichtung die Blende umstellen… Das ist für bestimmte Effekte auch ganz nützlich.

Belichtungszeit:
Die Belichtungszeit ist meistens das, was ich beim Lightpainting am wenigsten beeinflussen kann, denn ein Bild dauert so lange, wie es dauert. Aber ihr solltet ungefähr wissen, wie lange ihr belichten werdet, damit ihr entsprechend eine passende Blende wählen könnt. Malt ihr einen Swirly Orb, braucht ihr z.B. ca. 2-3 min. Die Umgebung muss das auch hergeben, dass ihr so lange belichten könnt bei der von euch gewählten Blende oder ihr wendet eben die Mehrfachbelichtung an. Dann wisst ihr aber, wenn ihr die Umgebung 30 Sek. belichten könnt, dass ihr z.B. max. 6x 30 Sek. benötigt.

Und auch hier kristallisiert sich wieder heraus, dass man für jedes Motiv an jedem Ort selbst schauen muss, welche Einstellungen man verwenden muss. Es gibt kein Grundrezept. LED-Strips kann man ja in der Regel dimmen… So kann man bei Wahl eines LED-Strips die Einstellungen flexibler vornehmen. Hat man aber eine Kaltlichtkathode, so muss man (normalerweise) eben sehen, dass man mit einer möglichst weit geschlossenen Blende arbeitet, da diese ziemlich hell sind. Man könnte hier nun wieder mittels Arduino eine Dimmfunktion „einbauen“. Aber das kann eben nicht jeder. Daher muss ich immer sehen, was habe ich als Ausgangslicht und welche Blende brauche ich und welche Leuchtmittel kann ich damit kombinieren.

Was ist beim Fotografieren zu beachten?

Bei der Anwendung von Trick 1 müsst ihr bei langen Belichtungen immer ungefähr vor Augen haben, wie lange das Objektiv abgedeckt bzw. nicht abgedeckt war. Müsst ihr z.B., damit die Umgebung ordentlich ausgeleuchtet ist auf eine Belichtungszeit von 2 min kommen, dann bringt das nichts, wenn die Kamera 7 min läuft, aber 6 min abgedeckt ist. Oder ihr braucht 1 min für die Performance 1, deckt ab, braucht dann nochmal 2 min für Performance 2… dann seid ihr auch schon bei 3 min. Gesamtbelichtung und der Hintergrund wird vermutlich überbelichtet sein. Also bissl Planung muss schon sein.

Natürlich gibt es auch bei der Technik von Trick 2 ebenfalls ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Die Bilder benötigen alle die gleiche Belichtung, sonst seht ihr beim zusammen rechnen später, dass die Bilder unterschiedlich hell waren und man sieht, dass es aus mehreren Bildern zusammen gerechnet ist.
Das bedeutet, dass wir zwischendurch die Kamera nicht abdecken können. Also muss das benutzte Tool unbedingt während der Bewegung ausgeschaltet werden können. Wenn ihr am Ende eurer Performance seid, könnt ihr ja nicht einfach abdecken und aus dem Bild laufen. Oder ihr habt so ein gutes Timing, dass die Auslösung gerade dann zuende ist, wenn ihr fertig seid.
Was hier auch noch elementar wichtig ist, dass ihr eine konstante Belichtung der Umgebung habt. Wenn diese sich z.B. ändert, weil ihr vor einer Anlage steht, wo irgendwas mit einem Farbwechsel angestrahlt wird, werdet ihr später beim zusammen rechnen auch Probleme bekommen, da die Umgebung auf jedem Bild schlimmsten falls verschiedene Farben hat und unterschiedlich hell ist.

Bei Trick 3 ist es ebenso wichtig, dass eure Kamera sich immer am gleichen Punkt befindet. Hier können anhand der Belichtungszeit Über- und Unterbelichtungen ausgeglichen werden. Probiert diesen Modus unbedingt vorher Zuhause aus, dann klappt es auch später vor Ort. Und oftmals muss man die Einstellungen nach jeder Mehrfachbelichtung anpassen. Da müsst ihr auch drauf achten. Bei mir hat die Kamera so manches Mal nicht kapiert, was ich von ihr will 😀