LIGHTPAINTING

Was ist Lightpainting?

Ja, es gibt ja auch noch diejenigen Menschen, die nicht selbst fotografieren und oftmals gar nicht so genau nachvollziehen können, was eigentlich hinter dem Begriff Lightpainting steht und wie diese Technik überhaupt funktioniert. Daher möchte ich mit diesem Post einmal an die Basis heran, um Interessierten, sowie Neueinsteigern in die Welt der Fotografie zu erklären, was dahintersteckt.

Im Allgemeinen ist Lightpainting eine fotografische Technik aus dem Bereich der Langzeitbelichtung.

Langzeitbelichtung

Als Langzeitbelichtung wird eine Aufnahme bezeichnet, bei der mehrere Sekunden belichtet wird. Im Regelfall nutzt man diese längere Belichtungszeit bei schlechten Lichtverhältnissen oder Dunkelheit, um auf dem späteren Foto zu erkennen, was fotografiert wurde. Allerdings sollte die Kamera dafür auf einem Stativ und ruhig stehen.

Stellen wir uns nun ein beleuchtetes Gebäude vor. Alles wo nun Licht drauf fällt, zeichnet die Kamera auf. Umso länger nun belichtet wird, umso heller wird das Gebäude auf dem Bild. Bewegt sich die Lichtquelle nun z.B. und strahlt erst die rechte und dann die linke Hälfte vom Gebäude an, so müssen wir uns das nun wie folgt vorstellen:

Belichte ich nur solange, wie die rechte Seite vom Gebäude angestrahlt wird, wird der rechte Teil des Gebäudes deutlich sichtbarer und der linke Teil wird kaum sichtbar sein. Dieser wird überhaupt nur sichtbar durch das zu dem Zeitpunkt auf das Gebäude fallende Restlicht, was wir so vielleicht gar nicht wahrnehmen. Um hier eine gleichmäßige Ausleuchtung des Gebäudes zu erhalten, muss ich zusehen, dass ich das Foto so aufnehme, dass beide Seiten gleich lang in der gleichen Helligkeit angestrahlt werden.

Als kleiner Tipp: Einfach zuhause mal ein Experiment machen und mal bei völliger Dunkelheit dieses Beispiel mit einer Taschenlampe und einem Gegenstand nachspielen!

Kehren wir zurück zur feststehenden Lichtquelle: Wenn sich nun während einer solchen Belichtung die Kamera oder (wenn auch unwahrscheinlich) das Gebäude bewegt, wird unser Gebäude nicht klar und deutlich abgebildet, da die Lichtquelle immer die gleiche Stelle anleuchtet. Und die Kamera zeichnet das Licht auf. Deshalb ist es erforderlich, dass die Kamera auf einem Stativ steht und nicht bewegt wird. Auch das sollte man einfach mal ausprobieren, dann wird es verständlicher.

Ein großer Einflussfaktor, der auch später beim Lightpainting eine sehr große Rolle spielt, ist die Farbe des angeleuchteten Gegenstandes. Ein weißes Haus reflektiert das Licht, weshalb es bei Verwendung der gleichen Lichtquelle auf dem Bild viel schneller gut ausgeleuchtet ist, als ein schwarzes Gebäude. Schwarz schluckt sehr viel Licht.

Kameraeinstellungen

Allgemein kann die Dauer der Belichtung sehr variabel sein. Sie fängt an bei Sekunden und geht hoch bis in die Minuten. Allerdings könnte man auch Stunden, Tage, Wochen oder Monate belichten. Im manuellen Modus lassen aktuelle Kameras in der Regel eine Belichtungszeit von bis zu 30 Sekunden zu. Für die normalen Langzeitbelichtungen reicht das auch oft aus. Beim Lightpainting greift man dann eher auf den sogenannten „BULB“-Modus zurück. Dieser erlaubt eine unendliche Belichtungszeit – bis zur Erschöpfung des Akkus oder bis die Kamera überhitzt (was jedoch so schnell nicht passiert).

Eingesetzt wird die lange Belichtungszeit meist bei Nacht oder in abgedunkelten Räumen. Allerdings kann man sie auch tagsüber nutzen. Das wird ganz gerne gemacht, um z.B. einen Wasserfall oder einem Brunnen mit dem „Seideneffekt“ zu fotografieren. Unter Zuhilfenahme von Neutraldichtefiltern (ND-Filter / Graufilter) kann man auch tagsüber längere Belichtungszeiten erreichen. Allerdings dennoch sehr eingeschränkt, da das Tageslicht ja doch sehr hell ist. Auch das Schließen der Blende ist natürlich ein gutes Hilfsmittel, um lange Belichtungszeiten zu erreichen. Allerdings sollte man hier auch berücksichtigen, dass dies ja nun auch Auswirkungen auf die Schärfe hat und dass gerade bei Verwendung von Blende 16 oder gar Blende 22 dann schon jedes kleine Staubkorn auf dem Sensor sehr klar abgebildet wird. Hier ist es also dann auch erforderlich unbedingt eine saubere Kamera zu verwenden. Es lässt sich jedoch nicht immer vermeiden, dass da mal etwas zu sehen ist. Des Weiteren ist es schwierig Tiefe ins Bild zu bekommen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Lichtempfindlichkeit (ISO), die bei der Aufnahme eingestellt wird (oder bei analogen Kameras durch den gewählten Film vorgegeben ist). Man sollte wissen, dass das sog. Bildrauschen (Bilddetails gehen verloren, das Bild sieht körnig aus, es entstehen Farbfehler) bei längerer Belichtungszeit extremer ist, als bei einer kurzen Belichtungszeit. Da dieses Problem bei einer niedrigen ISO am wenigsten auftritt, arbeitet man in der Regel (es gibt auch Ausnahmen) mit ISO 100. Auch entstehen bei längeren Belichtungszeiten sog. Hotpixel. Diese treten umso schneller auf, umso höher die Temperatur der Kamera ist und umso länger belichtet wird. Ein Trick, um diese beiden Probleme weitestgehend zu vermeiden, ist dass die Rauschunterdrückung in der Kamera aktiviert wird. Allerdings führt die Kamera dann nach Beendigung der Aufnahme eine weitere Belichtung durch, die genauso lange dauert, wie die Originalaufnahme. Bei wenigen Sekunden kam man das machen. Bei Lightpaintings, die auch mal 10 min. dauern können, nutzt man diesen Mechanismus eher selten bis gar nicht.

Lightpainting

Kommen wir nun zum Lightpainting an sich:

Das Lightpainting ist quasi nichts anderes, als das Bewegen der Lichtquelle oder der Kamera, die wir bei normalen Langzeitbelichtungen eigentlich vermeiden wollen. Gehen wir vom einfacheren Fall aus – dem Bewegen der Lichtquelle. Halte ich nun beispielsweise in einem dunklen Raum eine Taschenlampe in Richtung Kamera und starte die Aufnahme, so wird die komplette Bewegung der Taschenlampe aufgezeichnet. Ausprobieren: Belichtung starten, Taschenlampe anschalten und einen Kreis in die Luft malen, Belichtung beenden. Herzlichen Glückwunsch zum allerersten Lightpainting.

Bei fortgeschrittenen Techniken bedarf es nun einfach nur einer gewissen Vorstellungskraft. Und das sind die einzelnen Techniken, die ich hier in meinen Tutorials Schritt für Schritt erkläre. Zum einen kommt es auf die Tools an, zum anderen auf die eigenen Bewegungsabläufe. Auch ist es eine Frage der Koordination, dass alles funktioniert.

Wer nun wissen möchte, welches Equipment er benötigt und wie die Kamera im Detail am besten eingestellt wird, sollte sich die Grundlagen-Tutorials
Grundausstattung“ und „Grundeinstellungen“ durchlesen.

Wer direkt loslegen möchte, startet am besten mit diesem Einsteiger-Tutorial, weil hier die allerwichtigsten Grundlagen erklärt werden!

Als Tools für den Einstieg empfehle ich euch aus dem Bereich der schon fertig zu kaufenden Lichtwerkzeuge allgemein erstmal Taschenlampen, bunte Leuchtstäbe, Wunderkerzen oder Lichterketten. Wenn ihr dann das Grundprinzip verstanden habt und das hinbekommt, dann empfehle ich auch mit Stahlwolle (Bitte auch Tutorials zum Umgang mit Stahlwolle lesen), Domes und Orbs (den Einsteigerfiguren) weiter zu machen. Dadurch bekommt ihr ein Gefühl für Formen und da beginnt oft die Phase, wo man eigene Ideen entwickelt.