Gewitter fotografieren

Langsam wird es wärmer, das Wetter ist noch recht unbeständig und es entstehen häufiger Gewitter als im Winter. Viele sind fasziniert von Blitz und Donner und der damit einhergehenden spannenden Wolkenbildung. Aus diesem Grund möchte ich euch heute zeigen, wie man Blitze überhaupt fotografieren kann.

Was brauche ich um Gewitter zu fotografieren ?

Zunächst einmal beruht auch dieses Tutorial auf meinen eigenen Erfahrungen. Daher ist das alles kein Gesetz, sondern lediglich eine Orientierung.

Zum Fotografieren von Blitzen braucht es natürlich:

  • eine Kamera (mit Serienbildfunktion und langen Belichtungszeiten)
  • ein passendes Objektiv
  • ein Stativ
  • optional ein Fernauslöser

Fernauslöser habe ich in diesem Beitrag bereits vorgestellt.

Was das Objektiv angeht, empfehle ich hier ganz klar den Weitwinkelbereich, da man oft gar nicht genau weiß, wo die Blitze runterkommen. So hat man einen sehr großen Ausschnitt auf dem Bild. Natürlich können auch Brennweiten im Normalbereich benutzt werden. Das hängt auch immer davon ab, wie nah das Gewitter ist, wie gut man die Lage der Blitze einschätzen kann, etc.

Was sollte ich hinsichtlich Location und Sicherheit beachten?

Sicherheit

Hier ist vor allen Dingen gesunder Menschenverstand wichtig! Stellt euch bitte nicht mitten auf ein freies Feld. Eure Sicherheit geht vor!

Im Auto seid ihr sicher. Daher entfernt euch am besten gar nicht groß vom Auto oder von Zuhause. Stichwort: Faradayscher Käfig! Auch aus dem Auto heraus könnt ihr Fotos machen. Solange das Gewitter nicht direkt über euch ist, besteht natürlich die Möglichkeit, bei offenem Fenster zu fotografieren.
Wichtig ist immer zu wissen, ob ihr euch vor oder hinter dem Gewitter befindet. Da die meisten Gewitter mit Regen oder Hagel einhergehen, ist das Fotografieren auch meistens nur vor oder hinter dem Gewitter (aus sicherer Entfernung) überhaupt möglich. Um die Entfernung zu bestimmen, zählt ihr die Sekunden zwischen Blitz und Donner. 1 Sekunde sind 340 m Abstand (Schallgeschwindigkeit). Unter 2 km Abstand besteht die Gefahr eines Blitzeinschlags in der Nähe. Hier besteht dann die Gefahr von Schrittspannung und Sekundärblitzen. Also lasst es am besten gar nicht erst so nah an euch ran.
Sicherheitsregeln beachten!

Kein Aufenthalt in offenen Geländen, auf Hügeln, Höhenzügen, Gewässern, Schwimmbecken.

Nähe zu Bäumen, Masten, Türmen meiden!

Location

Sobald anhand des Wetterberichts Gewitter angekündigt werden, könnt ihr beginnen mit der Planung. Natürlich ist es sinnvoll, wenn ihr vorab schon ein paar Spots in der Hand habt, wo ihr gut solche Fotos machen könnt. Die grobe Uhrzeit kennt ihr nun auch.
Ein Gewitter kündigt sich regulär dann an dem Tag auch lange genug im Voraus an (außer in den Alpen), so dass ihr euch entsprechend vorbereiten könnt. Auf Seiten wie der Unwetterzentrale könnt ihr gut den großflächigen Verlauf eines Unwetters beobachten. Eine weitere, noch nützlichere Webseite ist: https://www.lightningmaps.org. Dort könnt ihr sehen, wann und wo wie viele Blitze herunter kommen. Natürlich gibt es auch eine App für’s Handy. Für Apple wäre das z.B. die App „BlitzortungLive“ oder „Live Lightning“.

Grundsätzlich ist es natürlich dennoch schwierig, überhaupt erstmal einen Bereich zu finden, wo man Blitze fotografieren kann, ohne dass es schüttet wie aus Eimern und dennoch etwas sichtbar bleibt. Deswegen beobachtet einfach Gewitter. Selbst, wenn ihr keine Kamera dabei habt. Es wird euch helfen.
Welche Einstellungen sind hier geeignet?

Entgegen allgemein vorherrschender Meinung, dass man dann auslösen sollte, wenn man einen Blitz sieht und diesen einfach erwischen muss, arbeitet man auch hier einfach mit Langzeitbelichtungen. Bei Gewittern wird es oft auch so dunkel, dass das gut möglich ist. Tagsüber ist man jedoch etwas eingeschränkter. Aber insgesamt funktioniert es genauso.

Es gibt keine feste Faustformel. Aber was ich euch sagen kann… Ihr habt ja in der Regel einen Hintergrund. Also bei mir war es z.B. meine Straße. Dort habe ich einfach geschaut, welche Belichtungszeit ich benötige, damit das Bild erstmal so von sich gut belichtet ist. Jetzt kommt es drauf an, wie nah das Gewitter ist und wieviel Licht die Blitze noch reinbringen. Ggf. müsst ihr dann schauen, dass ihr die Blende etwas weiter schließt oder die Belichtungszeit etwas verkürzt.

07.08.2015 Canon EOS 70 D – 10 mm, f/7.1, ISO 160, 10 Sek.

Kameraeinstellungen

Nach folgendem Schema ermittle ich meine Einstellungen:

ISO:

Ich stelle die ISO immer auf max. 200.

Blende:

Da ich auf dem Bild ja eine gleichmäßige Schärfe erreichen will, liegt meine Blende meistens zwischen 7.1 und 13. Es hängt von der Helligkeit der Umgebung ab.

Belichtungszeit:

Die Belichtungszeit richtet sich ebenfalls nach der Umgebung. Empfehlenswert sind Belichtungszeiten bis 30 Sekunden, da man dann die Kamera im Serienbildmodus durchlaufen lassen kann. Natürlich funktioniert ebenfalls der BULB-Modus.
Hier entfällt jedoch dann der Vorteil, die Serienbildfunktion nutzen zu können.

Weitere Einstellungen:

Fotografiert unbedingt in RAW und stellt die Rauschunterdrückung aus!
Den Weißabgleich könnt ihr auf „Automatik“ stellen, da ihr sowieso später am PC das Bildmaterial noch nachbearbeiten/entwickeln solltet.

Und auch hier kristallisiert sich wieder heraus, dass man für jedes Motiv an jedem Ort selbst schauen muss, welche Einstellungen passend sind. Ich hoffe dennoch, euch hiermit zumindest eine Richtung geben zu können, die euch hilft, die passenden Einstellungen zu finden.

Was ist beim Fotografieren zu beachten?

Kommen wir nun zum Aufnehmen der Fotos selbst.

Ihr habt nun ein Gewitter und einen sicheren Standort, von dem ihr jederzeit problemlos flüchten und euch in Sicherheit bringen könnt…

Stellt eure Kamera auf das Stativ und macht einfach eine normale Langzeitbelichtung von der Umgebung. Stellt eure Kamera dabei auf den Serienbildmodus. Beobachtet nun den Himmel, in welcher Richtung die Blitze runterkommen und sucht euch den besten Bildausschnitt, in dem ihr diesen Bereich einbeziehen könnt. Und nun heißt es einfach: auslösen. Und zwar dauerhaft… Irgendwann habt ihr dann das Glück, dass während eurer Aufnahme ein oder mehrere Blitze runtergekommen sind. Und diese sind dann auf dem Bild sichtbar. An der Stelle kontrolliert ihr am besten noch einmal, ob die Belichtung in Ordnung ist, wenn die Aufnahme beendet wurde. Wenn ja, dann weiter auslösen, ansonsten anpassen…

Wenn ihr ein großes Gewitter habt, wie z.B. dieses krasse Unwetter in 2015, wo im Ruhrgebiet so viele Bäume zu Schaden gekommen sind… Da war die Helligkeit der Blitze wirklich sehr unterschiedlich und es kamen sehr viele Blitze in sehr kurzen Zeitabständen vom Himmel. Da macht es dann schon eher Sinn im BULB-Modus zu fotografieren und bei den helleren Blitzen auch die Aufnahme dann zu unterbrechen. Hier mal 2 Beispielbilder, wo man erkennt, dass die Blitze sehr viel Licht ins Bild gebracht haben. Und hätte die Aufnahme 30 Sekunden länger gedauert und ich hätte beide Blitze im Bild gehabt, wäre es wahrscheinlich auch zu einer massiven Überbelichtung gekommen.

07.08.2015 Canon EOS 70 D – 10 mm, f/7.1, ISO 160, 16 Sek.

07.08.2015 Canon EOS 70 D – 10 mm, f/7.1, ISO 160, 25 Sek.

Währenddessen beobachtet immer genau den Himmel… In welche Richtung bewegt sich das Gewitter, wie schnell ist es, etc. Achtet darauf, dass immer mind. 6 Sek. Abstand zwischen euch und dem Gewitter sind! Meistens setzt dann ja auch der Regen ein, wenn es näherkommt. Dann macht ihr es euch schön Zuhause oder im Auto gemütlich (welches ihr hoffentlich nicht unter einem Baum geparkt habt).

Schlussworte

Ich wünsche euch nun viel Erfolg beim Aufnehmen toller Gewitterfotos!