Formen

Heute erkläre ich euch einzelne Techniken beim Lightpainting mit denen ihr lernt, wie man welche Formen am besten erzeugen kann.
Zuerst fangen wir einfach mal grundsätzlich an mit einer Einleitung, wie Lightpainting überhaupt funktioniert und wie man überhaupt Formen erzeugen kann und was da für Bilder bei herauskommen können.

Einleitung

Zunächst einmal ist es wichtig, dass ihr wisst, dass sobald die Kamera ausgelöst wurde, jedes Licht später auch sichtbar ist. Umso heller die Lichtquelle, das Umgebungslicht, Reflektionen, usw. sind, je deutlicher sieht man diese später auch auf dem Bild. Natürlich spielt auch die Belichtungsdauer eine Rolle. Beim Lightpainting benutzen wir unser Tool quasi als Pinsel und die Umgebung als Leinwand. Wir malen also tatsächlich etwas in die Luft. Daher ist es auch wichtig, dass euer Tool, mit dem ihr malt, heller ist, als die Umgebung. Ansonsten würde das Licht im Bild untergehen.

In erster Linie ist es wichtig, dass man sich genau überlegen muss, wie die Bewegungsabläufe sind, sobald man eine Form erzeugen will. Heißt im Klartext… Ich habe eine Taschenlampe und will damit einen Kreis malen. Dann schalte ich die Lampe an, sobald ich beginne den Kreis zu malen und schalte sie wieder aus, wenn ich fertig bin. Ich muss dafür genügend Platz haben und wissen, wo im Bild ich die Form platzieren will. Wenn ich das alles überlegt habe, kann ich loslegen.

Habe ich jetzt aber eine Lichtquelle, die sich nicht so einfach an- oder ausschalten lässt, muss ich an dieser Stelle schon weiterdenken. Hier wird im Übrigen nun auch klar, warum es sich beim painten besser zu zweit arbeiten lässt. Nehmen wir nun das Beispiel einer Wunderkerze. Während ich die Wunderkerze anzünde, habe ich schon das erste Licht… Jetzt kann ich die Kamera auslösen, sobald die Wunderkerze brennt und ich beginne einen Kreis zu malen. Wenn der Kreis fertig ist, schalte ich die Aufnahme wieder aus.
Nun könnte ich aber das „Problem“ haben, dass die Umgebung noch zu dunkel ist und auf dem Bild gar nicht erkennbar ist, weil ich nicht lange genug belichten konnte. Oder ich möchte einen 2. Kreis direkt daneben malen. Und an dieser Stelle kommt der wichtigste Teil beim Lightpainting – die Abdeckung des Objektivs, während ich mit Licht hantiere, welches jedoch nicht aufgezeichnet werden soll.

Ich stelle mich also mit meiner Wunderkerze hin, mein Partner löst die Kamera aus, wenn ich beginne den Kreis zu malen und wenn ich am Ende bin, hält er etwas vor die Kamera, was nicht lichtdurchlässig ist (schwarzes Handtuch/Mütze/Dose…). Sobald ich nun beginne den 2. Kreis zu malen, entfernt mein Partner wieder die Abdeckung von der Kamera. Dies geht dann so lange weiter, bis ich fertig bin mit malen.

Beispiele

Kreis

Hier hat jemand einen Leuchtstab an einem Band die ganze Zeit im Kreis geschwungen. Damit auf dem Bild aber nur die Kreise und keine Übergänge zu sehen sind, wenden wir nun die o.g. Technik wie folgt an:

Wir lösen die Kamera aus, halten aber etwas dunkles vor die Kamera, damit noch kein Licht sichtbar ist. Wenn derjenige, der die Performance ausübt, dann den Kreis in Schwung hat, entfernen wir unsere Abdeckung und belichten einen Moment. Dann decken wir wieder zu, bis der nächste Kreis in schwung ist und immer so weiter….

Würden wir jetzt wiederum eine Taschenlampe verwenden, würden wir die Taschenlampe einfach nach jedem Kreis ausschalten und beim nächsten Kreis wieder einschalten.

Hier erkennt ihr, dass es also sehr stark abhängt von eurem Tool, wie ihr die Formen in euer Bild bekommt.

Kameraeinstellungen:: f/8, ISO-400, 40 Sek., 27 mm

 

schwebender Kreis

Hier ist jemand mit einer großen Wunderkerze mehrfach um den Stein gelaufen. Hier war es recht einfach, die Kamera wurde ausgelöst, als derjenige schon losgelaufen war und die Auslösung beendet, als wir entweder genug Licht aufgezeichnet hatten oder die Wunderkerze aus war. Um auch von dem Hintergrund noch etwas zu sehen und auch damit sich der Vordergrund klar abhebt wurde hier etwas offenblendiger fotografiert.

Kameraeinstellungen: f/4.5, ISO-160, 28 Sek, 21 mm

Feuerwerk

Hier wurde ein Feuerkreisel an dem Baum befestigt, der sich gedreht und somit entsprechend die Funken verteilt hat. Das gibt natürlich einen sehr schönen Effekt. Hier aber auch anzumerken: Bitte sicherstellen, dass keine Funken an geblieben sind, die irgendwo ein Feuer entzünden können, wenn ihr so etwas macht. Immer alles austreten!

Kameraeinstellungen: f/8, ISO-100, 1 Sek, 21 mm

Kringel

Hier haben wir an beiden Seiten der Kette kleine Wunderkerzen befestigt, alle angemacht und dann die Schaukel Kreisen lassen. Unglücklicherweise lief danach jemand mit irgendetwas leuchtendem durch das Bild. Auf sowas muss man dann natürlich achten

Kameraeinstellungen: f/8, ISO-100, 11 Sek., 25 mm

ZickZack

Ja hier war der Plan etwas anders. Wir haben die Person mit Stroboskop-Blitz anblitzen wollen, dass man die Person an den verschiedenen Punkten auf der Rutsche sieht. Das hat leider nicht so richtig geklappt. Während des Rutschvorgangs hatte die Person 2 Wunderkerzen hin und her geschwenkt. Letzten Endes ist das Bild dennoch ganz cool geworden. Aber wie ihr sehen könnt, sollte gut überlegt sein, wie man das Bild aufbaut, am Ende hätte er vor dem Aufstehen vielleicht noch eine Bewegung nach innen machen können…

Kameraeinstellungen: f/6.3, ISO-200, 9 Sek., 25 mm

Herzen

Bei den Herzen ist die Vorgehensweise eigentlich ähnlich wie bei den Kreisen. Wir haben hier allerdings einen weißen LED-Schaumstoffstab verwendet und die Farbwechsel-Funktion aktiviert. Dann hat sich jemand hingestellt und gesagt „Jetzt geht es los“ und dann haben wir mit der Belichtung angefangen. Als er das Herz beendet hatte, gab es wieder eine Abdeckungsphase, bis er mit dem 2. Herz begonnen hat. So hat er dann einfach mit dem Leuchtstab ein großes Herz in die Luft gemalt und das 2x. Ganz einfach, oder?

Kameraeinstellungen: f/8, ISO-200, 23 Sek., 20 mm

Geeignete Tools

Für diese Formen könnt ihr so ziemlich alles benutzen, was leuchtet.
Besonders empfehlenswert sind dafür:

  • Wunderkerzen
  • Knicklichter (nur bei absolut dunkler Umgebung)
  • div. LED-Leuchtquellen
  • Taschenlampen
  • farbige Taschenlampen
  • Neopixel-Ring
  • ggf. Blinky-Tiles (einzeln)
  • ggf. Lichterketten (gebündelt)

Die Verlinkung erfolgt nachträglich, sobald die jeweiligen Tutorials wieder online sind.

Tipp:

Bei dem Bild mit dem Kreis musste ich übrigens auf ISO-400 hoch gehen, da die Leuchtkraft von dem kleinen LED-Stab nicht sehr hoch war. Man hätte sonst nur recht dunkle Kreise gesehen und nichts anderes…. Das sind alles Kleinigkeiten, auf die man achten muss. Optimalerweise beendet man auch die Belichtung nicht unbedingt sofort, wenn das Lightpainting fertig ist, sondern belichtet die Umgebung ggf. noch nach, wenn man diese mit ins Bild einbeziehen möchte.